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|  | INTERVIEW MIT HANS WUWER OBERBüRGERMEISTER VON GLADBECK A.D.
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Frage: Hans, im Rat unserer Stadt hat die SPD zwar die meisten Sitze, eine eindeutige Mehrheit gibt es allerdings nicht. Zu deiner aktiven Zeit war das sicher einfacher.
Hans Wuwer: Politik verantwortungsvoll zu gestalten, ist keine Frage der zahlenmäßigen Mehrheiten. Zugunsten der Stadt zu arbeiten, zwingt den Rat alle Positionen zu berücksichtigen. Natürlich gibt es zu jeder Zeit inhaltliche Differenzen, die zu überwinden, das macht ja die Arbeit, die Politikgestaltung aus. Immer aber wurde darauf geachtet, dass persönliche Befindlichkeiten nicht in den Vordergrund traten.
Frage: Was hieß das für Eure Arbeit?
Hans Wuwer: Es gibt keine sozialdemokratischen Bürgersteige. Beschlüsse, auch wenn sie letztendlich mehrheitlich gefasst werden mussten, waren immer Beschlüsse des Rats der Stadt. Da gab es kein „Füllhorn“, das die Mehrheits-Fraktion über die Stadt ausschüttet und sich damit brüstete. Nach der Diskussion steht die Entscheidung und dann die Umsetzung - die gehört keiner politischen Richtung, Mehrheit oder Partei.
Frage: Jetzt haben wir im Rahmen der Haushaltsberatungen für 2006 von der CDU anderes erlebt, für 2007 ist ein ähnliches Verhalten bereits angekündigt.
Hans Wuwer: Schlimm ist, wenn der Eine dem Anderen das Wort nicht mehr gönnt. Ich sehe aber, wie die Situation in der die CDU ist. Wer 10 Jahre das Sagen hatte, dem fällt es schwer sich umzustellen. Sie können sich nur schwer daran gewöhnen nicht mehr die erste Geige zu spielen.
Frage: Was würdest Du in einer solchen Situation tun?
Hans Wuwer: Wir sollten keine Berührungsängste haben. Dem Bürgermeister fällt dabei eine besondere Rolle zu. Er muss Koalitionen für die Handlungsfähigkeit der Stadt suchen.
Frage: Wie soll der Bürgermeister die Fähigkeit zur Koalition der Parteien im Rat richtig abschätzen?
Hans Wuwer: Bei der Frage um die Zuverlässigkeit spielt das Parteibuch keine Rolle. Die Frage ist, wer ist „menschlich“ zuverlässig. Der Bürgermeister muss sich eine Koalition für seinen Etat suchen. Wenn die CDU nicht zuverlässig ist, sind es vielleicht Einzelne, Ratsmitglieder, die ihre Verantwortung für das Ratsmandat, das ihnen anvertraut wurde über persönliche Machtinteressen stellen.
Frage: Was kann die Partei dazu beitragen?
Hans Wuwer: Unbedingte Rückendeckung. Ein Bürgermeister muss unabhängig agieren können und gleichzeitig den vollen Rückhalt in der Partei erfahren.
Frage: Das berührt dann auch das Verhältnis der Partei zur Fraktion.
Hans Wuwer: Wir sollten nicht die Partei gegen die Fraktion ausspielen. Die Fraktion muss Mehrheiten für den Bürgermeister erzeugen. Die Partei muss die Fraktion unterstützen. Im Interesse der Gemeinde ist eine Entscheidung auch dann richtig, wenn die politische Position der Partei darüber hinausgeht.
Frage: Heißt das für die Partei zurückstecken?
Hans Wuwer: Nein, die Partei treibt die Fraktion, die politischen Ziele und Positionen der Sozialdemokratie sind Motor und Richtschnur. Mehrheiten im traditionellen Sinne, wie zu meiner aktiven Zeit als OB oder MdB gibt es nicht mehr. Die SPD muss offen sein, Strömungen und Gruppierungen einzubinden. Das Vereinswesen ist auf kommunaler Ebene zum wichtigsten Faktor geworden. Das sind die Verbindungen in die Familien. Die müssen eingeladen werden. Deren Interessen zu wahren ist die Stärke unserer Politik.
Frage: War das euer Weg, beim Aufbau nach dem 2. Weltkrieg?
Hans Wuwer: Ich bin gegen jedes Glorifizieren der „Aufbaugeneration“. Von meinem Jahrgang sind 85% draußen geblieben. In den 5 Jahren, in denen ich mit dem Krieg persönlich konfrontiert war, war der Tot täglich anwesend. Im Nachhinein denke ich, dass ich da lernte, die Menschen besser zu verstehen. Das „Aufbauen“ geschah eher unfreiwillig. Wir mussten ja handeln, die Menschen aktivieren. Da konnte man nicht immer die langen Wege gehen, da musste häufig der kurze Draht reichen.
Frage: Wie ging das praktisch?
Hans Wuwer: Wir mussten den Dialog zwischen den Interessengruppen herstellen, wir mussten aber auch die Sorgen jedes Einzelnen, der sich an uns gewandt hat annehmen. Da habe ich so manchen nicht ins Büro bestellt. Ich hab ihn zu mir nach Haus geholt, um die Atmosphäre zu haben.
Frage: Kann man da was für unsere Arbeit heute übertragen?
Hans Wuwer: Euren Weg müsst ihr heute schon selber suchen, wenn ihr mich aber fragt, ich würde den engen Kontakt zu den Menschen nicht aufgeben, dass war immer ein Pfund, mit dem wir wuchern konnten. Die Diskussion suchen, da wo die Menschen sind, in den Familien, in den Vereinen. Den engen Kontakt zu den Betriebsräten und den Gewerkschaften halten. Zuhören, die Menschen dazu bringen für sich selbst zu spreche.
Hans, wir bedanken uns für dieses Gespräch.
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